Ursel Schlicht

Ursel Schlicht

Quelle: Wikipedia

Ursel Schlicht: Improvisation, Jazz und künstlerische Freiheit zwischen Hamburg, New York und Kassel

Eine Pianistin, die Jazz als offene Denkform begreift

Ursel Schlicht, geboren am 15. Dezember 1962 in Hamburg, gehört zu den profiliertesten deutschen Pianistinnen an der Schnittstelle von Jazz, freier Improvisation, Neuer Musik und Musikwissenschaft. Ihre künstlerische Arbeit verbindet Bühnenpräsenz, klangliche Neugier und wissenschaftliche Reflexion zu einer Musikkarriere, die sich nie auf ein Genre beschränkt hat. Gerade diese Offenheit macht sie zu einer spannenden Stimme im zeitgenössischen Improvisationsjazz. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Ursel_Schlicht))

Von Hamburg in die Welt: Ausbildung und frühe künstlerische Prägung

Schlicht studierte Musik in Kassel und promovierte am Musikwissenschaftlichen Institut Hamburg bei Helmut Rösing und Peter Niklas Wilson. Ihre Dissertation It’s Gotta Be Music First. Zur Bedeutung, Rezeption und Arbeitssituation von Jazzmusikerinnen erschien im Jahr 2000 und markierte früh ihren doppelten Fokus auf Praxis und Theorie. Schon hier zeigt sich die Handschrift einer Künstlerin, die nicht nur spielt, sondern musikalische Strukturen, Geschlechterrollen und kulturelle Kontexte analytisch durchdringt. ([uni-kassel.de](https://www.uni-kassel.de/fb01/institute/institut-fuer-musik/fachgebiete-und-studienbereiche/popularmusik/mitarbeitende/ursel-schlicht.html))

Auch wissenschaftlich positionierte sich Schlicht früh mit Themen wie Improvisation, Frauen im Jazz und musikalischer Ausbildung. Ihre Veröffentlichungen dokumentieren ein kontinuierliches Interesse an Jazzgeschichte, Gender Studies und pädagogischer Vermittlung, etwa in Beiträgen über Jazzmusikerinnen, Improvisationslehre und die Rezeption weiblicher Kreativität im Musikbetrieb. Diese Verbindung aus Forschung und Performance prägt ihre Autorität weit über die Bühne hinaus. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Ursel_Schlicht))

New York als Labor für Improvisation und Austausch

Von 2002 bis 2013 lebte und arbeitete Ursel Schlicht in New York, wo sie als freiberufliche Musikerin und Dozentin wirkte. Sie lehrte unter anderem an der Rutgers University, am Ramapo College of New Jersey und an der Columbia University, mit Schwerpunkten in Improvisation, Musikgeschichte und Music and Gender. Diese Jahre formten ihr Profil als international vernetzte Pianistin, die künstlerische Entwicklung nicht als linearen Stilwandel, sondern als dialogischen Prozess versteht. ([uni-kassel.de](https://www.uni-kassel.de/fb01/institute/institut-fuer-musik/fachgebiete-und-studienbereiche/popularmusik/mitarbeitende/ursel-schlicht.html))

In dieser Phase arbeitete sie mit Ensembles und Musikerinnen und Musikern aus dem Umfeld der experimentellen Szene, darunter Hans Tammen, Sarah Weaver, Stephanie Griffin, Catherine Sikora, Josh Sinton, François Grillot und Andrew Drury. Die Diskographie verweist auf eine künstlerische Praxis, die auf kollektiver Improvisation, klanglicher Verdichtung und offener Form beruht. Schlichts Name steht damit für eine improvisatorische Haltung, in der Komposition und spontane Reaktion einander ergänzen. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Ursel_Schlicht))

Zurück in Deutschland: Kassel, Lehre und interkulturelle Projekte

Seit Sommer 2013 lebt Ursel Schlicht wieder in Deutschland und unterrichtet Improvisation an der Universität Kassel. Dort arbeitet sie zugleich in interkulturellen Musikprojekten und engagiert sich in Begegnungsformaten mit Geflüchteten, in Schulen und Gemeinden sowie am Kasseler Zentrum für Interkulturelle Musik. Damit ist ihre Musikkarriere nicht nur eine Geschichte der Bühnenarbeit, sondern auch der kulturellen Vermittlung und sozialen Verantwortung. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Ursel_Schlicht))

Besonders prägend ist ihr Zugang zur Improvisation als lernbare, aber nie abschließbare Praxis. Auf ihrer offiziellen Website beschreibt sie Workshops, in denen Grundlagen des Jazzspiels, Bluesformen, modales Improvisieren und kommunikatives Hören im Mittelpunkt stehen. Schlicht verbindet didaktische Präzision mit künstlerischer Erfahrung und zeigt damit, wie stark ihre Arbeit zwischen Bildung, Performance und kreativer Forschung verankert ist. ([urselschlicht.com](https://www.urselschlicht.com/))

Diskographie: Von experimentellen Ensembles bis zum Solo-Piano

Die Diskographie von Ursel Schlicht zeigt eine Musikerin, die sich konsequent im Feld der improvisierten Musik bewegt. Zu den wichtigen Veröffentlichungen zählen Sound Quest (2001), Poets of the Now (2002), Syncretic Tales (2005), String Theory (2005), Einstein’s Dreams (2005), Photosphere (2006), SonicExchange (2013), Breathing Meditation (2022), Máninn Lídur (2025) und Creeks and Stars (2025). Diese Auswahl macht deutlich, wie breit ihr Spektrum zwischen Solo, Duo, Ensemble und interkultureller Zusammenarbeit angelegt ist. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Ursel_Schlicht))

Besonders Creeks and Stars rückt ihre aktuelle ästhetische Richtung ins Licht: Das Album entstand aus Eindrücken der documenta fifteen in Kassel und wurde von Ursel Schlicht als improvisatorische Reaktion auf Kunst, Raum und Wahrnehmung entwickelt. Die Trackliste und das Bandcamp-Material betonen eine konzentrierte, oft kontemplative Form des Spiels, die auf klangliche Transparenz und atmosphärische Dichte setzt. Auch die Formulierung einer Rezension in der New York City Jazz Record verweist auf ihre „cerebral“ und „ethereal“ wirkenden Improvisationen. ([urselschlicht.com](https://www.urselschlicht.com/))

Musikalische Entwicklung: Zwischen Jazz, Neuer Musik und freier Improvisation

Ursel Schlichts musikalische Entwicklung ist eng mit einer Ästhetik der Offenheit verbunden. Ihre Website und ihre Hochschulprofile beschreiben sie als Pianistin mit Schwerpunkten in Improvisation, Jazz, Neuer Musik und interkulturellen Musikprojekten. Gerade das Zusammenspiel von Komposition, spontaner Reaktion und struktureller Freiheit verleiht ihrem Spiel eine unverwechselbare Spannung. ([uni-kassel.de](https://www.uni-kassel.de/fb01/institute/institut-fuer-musik/fachgebiete-und-studienbereiche/popularmusik/mitarbeitende/ursel-schlicht.html))

Die Bandcamp-Veröffentlichung Breathing Meditation zeigt diese Haltung besonders deutlich: Das Werk ist als modulares Klangprojekt angelegt und versteht sich mehr als Meditation denn als klassische Performance. Schlicht arbeitet dort mit langen Formen, atmosphärischer Offenheit und einer Klangsprache, die auf Atem, Resonanz und innere Bewegung hört. Diese Art des Musizierens macht ihren Zugang zur Improvisation zugleich intellektuell und sinnlich erfahrbar. ([urselschlicht.bandcamp.com](https://urselschlicht.bandcamp.com/album/breathing-meditation?utm_source=openai))

Kultureller Einfluss und wissenschaftliche Autorität

Schlichts Einfluss reicht weit über ihre Diskographie hinaus, weil sie als Wissenschaftlerin die Rolle von Jazzmusikerinnen, Arbeitsbedingungen im Musikbetrieb und Fragen musikalischer Rezeption untersucht hat. Ihre Publikationen und Lehrtätigkeiten an renommierten Hochschulen in Deutschland und den USA belegen eine seltene Verbindung aus künstlerischer Praxis und musikwissenschaftlicher Expertise. In der Szene der improvisierten Musik gilt sie damit als reflektierte Stimme mit klarem Profil. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Ursel_Schlicht))

Auch ihre Festivalauftritte unterstreichen diesen Rang: Schlicht trat unter anderem beim Juneau Jazz and Classics Festival, Edgefest, Melbourne Women’s International Jazz Festival, Guelph Jazz Festival, Festival Cervantino und dem Festival of Creative Music auf. Solche Stationen verorten sie in einem internationalen Netzwerk experimenteller und zeitgenössischer Musik. Ihr Werk steht damit für eine transnationale Improvisationskultur, die lokal verwurzelt und global anschlussfähig ist. ([uni-kassel.de](https://www.uni-kassel.de/fb01/institute/institut-fuer-musik/fachgebiete-und-studienbereiche/popularmusik/mitarbeitende/ursel-schlicht.html))

Auszeichnung und aktuelle Anerkennung

Im Jahr 2025 erhielt Ursel Schlicht den Hessischen Jazzpreis für innovatives Spiel, interkulturelle Projekte und ihr Engagement für Gleichberechtigung im Jazz. Die Auszeichnung würdigt nicht nur ihre künstlerische Qualität, sondern auch ihre kulturpolitische Relevanz. Mit diesem Preis wurde eine Musikerin geehrt, die Improvisation als offene, inklusive und zeitgenössische Kunstform verkörpert. ([urselschlicht.com](https://www.urselschlicht.com/))

Die aktuelle Rezeption bestätigt diese Position: Auf ihrer Website verweist Schlicht auf eine Besprechung von Creeks and Stars in der New York City Jazz Record, und Bandcamp nennt zudem ihre interkulturellen Projekte sowie die SonicExchange-Arbeit als zentrale künstlerische Säulen. Damit zeigt sich eine Künstlerin, deren Gegenwart ebenso lebendig ist wie ihre Historie. ([urselschlicht.com](https://www.urselschlicht.com/))

Fazit: Warum Ursel Schlicht so spannend bleibt

Ursel Schlicht ist spannend, weil sie Jazz nicht als Stil, sondern als Denk- und Lebensform begreift. Ihre Pianistik verbindet Präzision, Fantasie und strukturelle Offenheit, während ihre wissenschaftliche Arbeit den kulturellen Rahmen dieses Schaffens sichtbar macht. Wer Musik als lebendigen Dialog zwischen Komposition, Improvisation und gesellschaftlicher Verantwortung erleben will, findet in ihrem Werk eine außergewöhnlich dichte und inspirierende Position. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Ursel_Schlicht))

Live entfaltet sich diese Kunst besonders eindrucksvoll, weil Schlichts Spiel auf Kommunikation, Reaktion und klanglicher Präsenz beruht. Genau darin liegt ihre Stärke: Jeder Auftritt ist ein Moment des Hörens, Forschens und Erfindens. Ursel Schlicht sollte man live erleben, um die ganze Tiefe ihrer musikalischen Sprache zu spüren. ([urselschlicht.com](https://www.urselschlicht.com/))

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